{"id":143,"date":"2020-09-01T23:02:57","date_gmt":"2020-09-01T21:02:57","guid":{"rendered":"https:\/\/aurelin.de\/?p=143"},"modified":"2020-09-01T23:02:57","modified_gmt":"2020-09-01T21:02:57","slug":"hass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aurelin.de\/?p=143","title":{"rendered":"Hass"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap has-text-align-left\">meine Mutter stand in der K\u00fcche und bereitete das Mittagessen zu, als ich auf der Anrichte das Buch entdeckte. \u201aMuttertag\u2018 von Nele Neuhaus. 550 Seiten, das ist recht viel f\u00fcr einen Roman, f\u00fcr Nele Neuhaus vielleicht erstaunlich viel, und diesem Gedanken steckt auch schon wieder erstaunlich viel (Vor)urteil. Ich habe einen Roman von Neuhaus gelesen, als sie noch ziemlich unbekannt war, und hatte eigentlich nicht den Eindruck, dass sie viel zu sagen h\u00e4tte. Damals war die Lekt\u00fcre ein Zeitvertreib, Prokrastination in Reinform. Ich sass in meinem Auto auf einem Supermarktparkplatz und las einen Roman von ihr auf dem iPhone statt zu arbeiten, es war nett. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Und nun hielt ich dieses Buch in H\u00e4nden, ungelesen, und war beeindruckt von 550 Seiten Umfang. Meine Mutter fragte, was es gekostet habe, und nach einem Blick auf die R\u00fcckseite antwortete ich, \u201e15 Euro\u201c. Sie hat es sich nicht selbst gekauft, es war ein Geschenk. Meine Mutter liest zwar recht viel, aber eher selten bis nie B\u00fccher solchen Umfangs.<br>\u201eGanz sch\u00f6n viel Arbeit f\u00fcr 15 Euro.\u201c, entgegnete sie, und es war klar, dass es hier weder um dieses Buch, noch um diese 15 Euro ging. Es ging um mich und meinen Plan.<br>Ich erz\u00e4hlte ihr ein wenig vom Werdegang, von der Karriere der Nele Neuhaus, die vor Jahren im Self-Publishing anfing, und deren Buch jetzt mit dem Aufkleber tituliert wird, die Nummer 1 der Spiegel-Bestsellerliste zu sein, aber ich erz\u00e4hlte das in zerstreuender, abwiegelnder Absicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">ich habe keine Lust die \u00f6konomischen Aspekte eines Schriftsteller-Lebens zu diskutieren. andererseits kann ich nat\u00fcrlich die Sorge einer Mutter um Gegenwart und Zukunft eines Sohnes verstehen, der wahlweise missraten oder aus der Art geschlagen ist, so wie ich es bin. Allein mir stellt sich die Frage nach dem \u00f6konomischen Erfolg gar nicht mehr, und das sage ich, nachdem ich heute nachmittag mit exakt 0 Euro in der Tasche bei einem Fachanwalt f\u00fcr Arbeitsrecht sa\u00df um zu beraten, wie ich mich gegen meinen Ex-Chef wehren kann, der mit aller Macht, sprich Einbehalten von Lohn und falsche Angaben in der Arbeitsbescheinigung versucht noch einmal gegen mich nach zu treten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Und tats\u00e4chlich besch\u00e4ftigt mich diese Frage viel mehr: soll ich zur\u00fcck treten, und wenn ja mit welchen Mitteln? und wozu? tendenziell will ich ja nicht mehr als meinen Frieden, in diesem Fall aber frage ich mich, ob ein Gang vor Gericht und ein kleiner auf Monate angelegter Kleinkrieg nicht viel sinnvoller w\u00e4ren. Gar nicht der Sache wegen, sondern um diejenige Emotion zu generieren, die ich f\u00fcr mein kommendes Projekt brauche: Hass<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>meine Mutter stand in der K\u00fcche und bereitete das Mittagessen zu, als ich auf der Anrichte das Buch entdeckte. \u201aMuttertag\u2018 von Nele Neuhaus. 550 Seiten, das ist recht viel f\u00fcr einen Roman, f\u00fcr Nele Neuhaus vielleicht erstaunlich viel, und diesem Gedanken steckt auch schon wieder erstaunlich viel (Vor)urteil. 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