{"id":339,"date":"2022-01-08T07:43:53","date_gmt":"2022-01-08T05:43:53","guid":{"rendered":"https:\/\/aurelin.de\/?p=339"},"modified":"2022-01-08T07:45:05","modified_gmt":"2022-01-08T05:45:05","slug":"je-dunkler-die-nacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aurelin.de\/?p=339","title":{"rendered":"je dunkler die Nacht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\">ich bin 44, bald 45 Jahre alt und empfinde mich als g\u00e4nzlich und vollkommen gescheitert. ich bin und lebe allein, nach wie vor, und sehe keine M\u00f6glichkeit das zufriedenstellend zu \u00e4ndern, inzwischen gehen mir sogar schon Grund und Sinn daf\u00fcr abhanden. Geworden ist aus mir nichts, gemessen an allgemein g\u00fcltigen Ma\u00dfst\u00e4ben, und ich finde das auch nicht weiter schlimm. Das Geschehen in unser Welt, insbesondere den Arbeitswelten ist durch und durch verlogen. Darin zu re\u00fcssieren kann aber muss nicht verdienstvoll sein und Ausnahmen best\u00e4tigen auch hier eher die Regel als umgekehrt.<br \/>\nAls schlimm empfinde ich es eher meinen eigenen Tr\u00e4umen nicht n\u00e4her gekommen zu sein. Wenn ich beruflich etwas wirklich gewollt h\u00e4tte, dann Schriftsteller zu werden. Tats\u00e4chlich aber habe ich nicht ein Buch geschrieben, nicht ein einziges. All die tollen Ideen&#8230; sie vermodern in mir.<br \/>\nUnter anderem ist das Frage der Disziplin, bzw meinem eklatanten Mangel daran.<br \/>\nich krieg&#8217;s nicht auf die Reihe, egal was.<br \/>\nvom Kiffen konnte ich mich befreien, mehr aber auch nicht. Immer noch rauche ich und immer noch bin ich zuckers\u00fcchtig, bin tats\u00e4chlich fett und faul und zunehmend mit Symptomen und Schw\u00e4chen konfrontiert, nicht nur k\u00f6rperlich.<br \/>\nmir fehlt der Wille zum Leben und ich w\u00fcsste auch nichts mehr, was mich dazu noch motivieren sollte, au\u00dfer dem alkoholisierten Dahinsiechen meines Vaters. Ich will in W\u00fcrde sterben, und mit gekl\u00e4rtem Geist.<br \/>\nAlles in allem aber bin ich meinem Vater in seinem Scheitern sehr viel \u00e4hnlicher als mir lieb ist oder auch nur sein k\u00f6nnte.<br \/>\nNun bin selbst Vater, und mein folgenschwerstes Scheitern begehe ich durch mein Selbstversagen an meinem Kind. Das wurde mir in den vergangenen zwei Wochen immer deutlicher. Sie erbt alle Schwierigkeiten, die ich nicht zu bew\u00e4ltigen vermag.<br \/>\nUnd da liegt sie neben mir, meine kleine Tochter, schlafend, s\u00fcss sieht sie aus mit ihrem zarten Gesichtchen, mein geliebtes Kind, und ich bin ihr so ein Schei\u00df-Vater, und ich muss an meinen eigenen Vater denken, den ich nie als Schei\u00df-Vater bezeichnen w\u00fcrde oder empfunden habe, aber dessen Ambivalenz zwischen gro\u00dfem Potential und v\u00f6llig bescheuertem Handeln bei mir doch eine gro\u00dfe Entt\u00e4uschung hinterlassen hat.<br \/>\nWerde ich ihr eine \u00e4hnliche Entt\u00e4uschung sein?<br \/>\nDas Einzige, was mein Vater mir hinterlie\u00df sind seine B\u00fccher, zwei Kisten im weitesten Sinn spirituelle Literatur.<br \/>\nDie Forderung und der Anspruch, der sich aus diesen Texten ergibt ist enorm. Er \u00fcberstieg nicht nur bei weitem die M\u00f6glichkeiten und F\u00e4higkeiten meines Vaters, sondern oft genug auch die der Autoren, die einen Weg beschrieben, auf dem sie selbst scheiterten.<br \/>\nDas wird mir vielleicht nicht anders ergehen, aber was bedeutet ein Weg \u00fcberhaupt noch, wenn man nicht bereit ist, ihn zu beschreiten?<br \/>\nund ganz ehrlich: ich w\u00fcsste kaum einen anderen Sinn mehr f\u00fcr mein Leben als genau das zu tun.<br \/>\nein umfassendes Scheitern mag nicht unbedingt optimale Voraussetzung daf\u00fcr sein. in den spirituellen Kreisen, die ich kennen gelernt habe kann man kaum einen Stein werfen, ohne jemanden zu treffen, der spirituelles By-passing betreibt, sich also sein Scheitern spirituell sch\u00f6n biegt.<br \/>\nAndererseits: ein Weg ist ein Weg ist ein Weg, und dass ein Weg auch ein weg sein kann? Geschenkt. Irgendwo werde ich schon sein, und Irgendwann auch wieder ins Hier &amp; Jetzt kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ich bin 44, bald 45 Jahre alt und empfinde mich als g\u00e4nzlich und vollkommen gescheitert. ich bin und lebe allein, nach wie vor, und sehe keine M\u00f6glichkeit das zufriedenstellend zu \u00e4ndern, inzwischen gehen mir sogar schon Grund und Sinn daf\u00fcr abhanden. 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