{"id":874,"date":"2023-03-20T22:17:55","date_gmt":"2023-03-20T20:17:55","guid":{"rendered":"https:\/\/aurelin.de\/?p=874"},"modified":"2023-03-20T22:17:55","modified_gmt":"2023-03-20T20:17:55","slug":"stationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aurelin.de\/?p=874","title":{"rendered":"#Stationen"},"content":{"rendered":"\n<p>Zwei Wochen vor meinem Neuanfang im Au\u00dfen wachsen die praktischen Herausforderungen, die der Wechsel mit sich bringt zu einem Berg heran, der mich entmutigen w\u00fcrde, br\u00e4chte Entmutigung irgendeinen emotionalen Vorteil mit sich.<\/p>\n\n\n\n<p>ich bin sehr viel zerbrechlicher, als ich gern w\u00e4re oder zugeben w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber schon seit sich der Wechsel anzeigt, beobachte ich mich in einem Inneren Dialog voll Leidenschaft und dem Bem\u00fchen eine Position zu finden aus der heraus ich kraftvoll und gut handeln kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat Zeit gefressen, Zeit die mir auch fehlt bei praktischen Angelegenheiten, trotzdem war es notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit meinem Neuanfang, einer Ausbildung in der Pflege schliesst sich auch ein Kreis, den ich vor 25 Jahren ge\u00f6ffnet und durch Flucht verlassen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich k\u00f6nnte es detailliert erkl\u00e4ren, k\u00f6nnte schildern, was ich damals erlebt habe. Vielleicht mache ich das auch noch, aber f\u00fcr den Moment will ich nur von der Summe erz\u00e4hlen: Hilflosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilflosigkeit nicht etwa den Ausbildungsinhalten oder dem praktischen Arbeiten gegen\u00fcber, und auch nicht hinsichtlich der Patienten, obwohl auch da Lernbedarf bestand und besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es war viel mehr Hilflosigkeit gegen\u00fcber den vielf\u00e4ltigen Formen von Gewalt gegen die Patienten seitens der Pflegenden und \u00c4rzte, Gewalt auch untereinander, und &#8211; im R\u00fcckblick kritisch gew\u00fcrdigt, zu gleichem Anteil auch eine Hilflosigkeit gegen\u00fcber meinen eigenen Gef\u00fchlen und Impulsen au\u00dferhalb des klinischen Kosmos.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese beiden Arten von Hilflosigkeit muss ich aber getrennt beobachten, auch wenn sie verwoben waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der einen konnte ich mich durch Flucht entziehen, die andere begleitet mich schon mein ganzes Leben lang.<\/p>\n\n\n\n<p>Und diese Inneren Dialoge waren notwendig um diesen Hilflosigkeiten entgegen zu treten, und auch etwas entgegen zu setzen. Ich will nicht hilflos sein, und schon gar nicht wenn ich mit in der Verantwortung stehe f\u00fcr Menschen, die Hilfe brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die erste Hilflosigkeit hab ich meine Position gefunden. Es wird keine Gewalt in meinem Wahrnehmungsbereich mehr geben. Gewalt ist selbst schon Ausdruck von Hilflosigkeit, und es gibt bessere Wege dieser Hilflosigkeit zu begegnen als ihr selbst mit Gewalt entgegen zu treten oder zu fl\u00fcchten. Hilflosigkeit hat auch etwas damit zu tun, dass Bed\u00fcrfnisse nicht gesehen werden, und ich bin nicht mehr 20. Ich sehe heute mehr als damals und bin handlungsf\u00e4higer, schon auf der pr\u00e4verbalen Ebene und auf der verbalen erst recht. Ich werde nicht mehr weg laufen. Au\u00dferdem gibt es inzwischen auch Gesetze und ein pr\u00e4ziseres Bewusstsein f\u00fcr Gewalt. Abgesehen davon glaube ich nicht, dass mir das in meiner Ausbildung jetzt so krass begegnen wird wie damals.<\/p>\n\n\n\n<p>Und falls wider Erwarten doch, dann bin ich darauf vorbereitet, ergo nicht hilflos.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den interessanten Beobachtungen in meinem Leben geh\u00f6rt \u00fcbrigens, dass mir Situationen in denen ich mich hilflos gef\u00fchlt habe und gleichzeitig aufgefordert irgendwie einzugreifen, Situationen die mich im Nachgang so lange besch\u00e4ftigt haben, bis ich eine L\u00f6sung daf\u00fcr gefunden hatte, kein zweites Mal begegnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das entschuldigt nicht, dass ich nicht eingegriffen habe &#8211; es ist einfach nur eine Beobachtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist es so, dass das Pr\u00fcfungen waren, in denen ich versagt habe, und die mir das Leben deshalb nicht noch einmal stellt, aber diese Interpretation denkt auch nur mich als ewigen Versager im und am Leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist es auch so, dass das etwas im energetischen Feld \u00e4ndert, und vielleicht ist es auch beides und vielleicht werden mir diese ganzen Situationen doch wieder begegnen &#8211; ich kann es nicht sagen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der andere Punkt, und das empfinde ich als sehr viel schwieriger ist meine Hilflosigkeit meinen eigenen Gef\u00fchlen und Impulsen gegen\u00fcber. Und ich beobachte das in meinen Inneren Dialogen in denen ich mir meine Gegen\u00fcber imaginiere.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin dies, ich bin das, ich bin so, weil jenes oder anderes, blablabla, ich kann das alles nicht mehr h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Muss ich erw\u00e4hnen, dass ich keine gute Meinung von mir habe und mich als wertlos erachte? Dass ich komplett aufzugehen vermag im Gef\u00fchl v\u00f6lliger Sinnlosigkeit, bis mir das Atmen schwer f\u00e4llt und ich w\u00fcnschte auch das w\u00fcrde aufh\u00f6ren, damit die Welt von mir und ich von ihr befreit w\u00e4re?<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall nur Abgr\u00fcnde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun ist es aber so, dass ich in 45 Jahren auch Zeit hatte mich ein wenig selbst zu beobachten, und ich bin zum Einen gar nicht so hilflos was meine eigenen Gef\u00fchle und mein Leben betrifft, zum anderen bediene ich mich einer ganzen Reihe dysfunktionaler Strategien um meine Gef\u00fchle nicht aushalten zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich rauche oder fress mich mit S\u00fc\u00dfkram voll, werf mir irgendwas ein, schaue mir irgendwelches Zeug an oder schie\u00df mich in autoerotische Sinnlichkeit ab.<\/p>\n\n\n\n<p>In Gesellschaft anderer Menschen spiele ich mich gern in den Vordergrund, erkl\u00e4re dies, das und jenes und was die Welt im Innersten zusammenh\u00e4lt (Liebe).<\/p>\n\n\n\n<p>Und vielleicht geht mein Blick tiefer. Vielleicht kann ich&#8217;s aber auch nur besser zum Ausdruck bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Warum erkl\u00e4rt sich aber nicht aus besserem Wissen oder K\u00f6nnen, oder aus Berufung, sondern aus dem schlichten Versuch von Au\u00dfen mehr Best\u00e4tigung zu erfahren, als ich mir im Inneren selbst zugestehen mag.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>ich bin ziemlich defizit\u00e4r. zerbrechlich und so. vielleicht bin ich sogar ein Psycho.<\/p>\n\n\n\n<p>Sat-Chid-, aber nicht Ananda, sondern depressiv verhaftet, und so ziemlich alles was mir in meinem Leben fehlt ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren &#8211; und ich will das nicht mehr. Es ist okay f\u00fcr mich kein Geld zu haben, sondern Schulden, und es ist auch okay, mich ganz besonders dann einsam und ungeliebt zu f\u00fchlen, wenn meine Libido wie eine eingesperrte Raubkatze in meinem Unterleib umher schleicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist, wie es ist. Dann bin ich halt der gro\u00dfe Versager, die Nullnummer, das Teil, das ungerechtfertigt Sauerstoff atmet.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich will das nicht mehr ausagieren, weder an anderen, noch an mir.<\/p>\n\n\n\n<p>und ich bin nicht so hilflos, wie ich mich f\u00fchle.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit mehr als 15 Jahren treibt mich immer wieder die Frage um, weshalb ich mein Wissen nicht in Kraft umsetzen kann und was mich daran hindert, meine PS auf die Stra\u00dfe zu bekommen. Und jetzt liegt die Antwort zum Greifen nah.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles was ich tat, tat ich aus dem Motiv heraus einen Mangel entweder zu kompensieren oder um ihn vor mir selbst zu vertuschen. Das ist keinen Einstehen f\u00fcr etwas, kein Arbeiten auf etwas hin &#8211; das ist so ziemlich genau das Gegenteil.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich brauche ein Ziel, und das sollte nicht darin bestehen, an irgendwelchen M\u00e4ngeln zu arbeiten, weil genau das mich selbst zum Mangel macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist so leicht gesagt, so leicht erkannt, aber &#8211; und auch das wieder so eine Lebensbeobachtung: sicher nicht einfach umzusetzen. Ich bin viel zu leicht ablenkbar, um st\u00e4ndig gegenw\u00e4rtig genug sein zu k\u00f6nnen f\u00fcr so etwas wie Kontrolle; ich werde da tiefer ansetzen m\u00fcssen, will ich nicht wieder v\u00f6llig aus dem Ruder laufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute morgen schrieb ich mir auf:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8218;ich will bl\u00fchen und Freude sein&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>das ist als Ziel ein wenig wage, und insofern schlecht formuliert, als es schwer messbar oder in objektiv erreichbare Einzelziele zu zerlegen ist, aber das muss ja auch nicht hier erfolgen, an dieser Stelle. Entscheidender ist, es nicht aus den Augen zu verlieren, sobald der erste Widerstand auftaucht, und ich denke, da wird sich alles melden. Jede Verletzung, jeder Mangel, jedes Bed\u00fcrfnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich will das nicht in ein Au\u00dfen verlagern, nicht mehr, weder in ein soziales noch ein k\u00f6rperliches, ich will das von innen heraus l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Au\u00dfen muss es einfach funktionieren, da muss ich funktionieren, egal in welcher Rolle. Ich mag das auch nicht mehr erkl\u00e4ren, wenn ich mal nicht funktioniere. Auch das kann ich nicht mehr h\u00f6ren, au\u00dferdem k\u00f6nnte das in einem neuen Umfeld auch zu Verurteilung f\u00fchren, und ich f\u00fchle mich nur sehr bedingt in der Lage mit Verurteilung von Au\u00dfen umgehen zu k\u00f6nnen, siehe Zerbrechlichkeit, Komma und ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich wei\u00df noch nicht, wie ich das alles umsetzen und halten soll. und kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">ich wei\u00df, dass ich davon erz\u00e4hlen muss, weil&#8217;s mich verr\u00fcckt macht, wenn ich&#8217;s nicht tue. Aber ich denke, es reicht aus, wenn ich das hier tue, mit geschriebenen Worten, und dass es ratsamer ist, das nicht in einen Diskurs einzubringen, der f\u00fcr alle Beteiligten auch noch B\u00fchne ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wissen &#8211; Wollen- Wagen &#8211; Schreiben statt Wissen &#8211; aber sein Warum nicht kennen &#8211; was ganz anderes wollen &#8211; irgendeinen Unsinn wagen &#8211; und es hinterher als ganz ph\u00e4nomenalen Prozess darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will endlich mal leben, und nicht immer nur sterben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Wochen vor meinem Neuanfang im Au\u00dfen wachsen die praktischen Herausforderungen, die der Wechsel mit sich bringt zu einem Berg heran, der mich entmutigen w\u00fcrde, br\u00e4chte Entmutigung irgendeinen emotionalen Vorteil mit sich. ich bin sehr viel zerbrechlicher, als ich gern w\u00e4re oder zugeben w\u00fcrde. 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